Spastikerhilfe Berlin eG

SPENDEN  |   IMPRESSUM  |   INHALT  |   SUCHE:    

Projekte von Nutzer/-innen

Auf dieser Seite finden Sie interessante Projekte unserer Nutzerinnen und Nutzer, die wir Ihnen gerne vorstellen möchten.


Eine Weihnachtsgeschichte der Literaturgruppe der Tagesförderstätte

Die Literaturgruppe der Tagesförderstätte gibt es seit Juli 2012. Sie trifft sich einmal wöchentlich für eine Stunde. Meist wird vorgelesen und manchmal erfinden wir auch Geschichten, was allen großen Spaß macht. Die Teilnehmerzahl schwankt zwischen 5 und 10 Mitgliedern.

Viel SpaĂź beim Lesen!

 

Drei Engel für Ralf – eine denkwürdige Weihnachtsgeschichte

Ralf wachte auf. Er sah, dass es draußen schon hell war und erschrak. Er schaute auf seinen Wecker und der zeigte 9.05 Uhr! Der Wecker hatte nicht geklingelt und er hatte verschlafen – zu blöde!!!

Er zog schnell seine Kleider an, wusch das Gesicht und putzte die Zähne. Dann ging er sofort los zu seiner Arbeit in die Tagesförderstätte in der Kienhorststraße. Auf dem Weg zur U-Bahn holte er sich beim Bäcker schnell noch einen Becher Kaffee, um richtig wach zu werden. Solche Tage mit Schnellstart hasste er wie die Pest und dann war auch noch so ein unangenehmer nass-kalter Schneeregen, der ihm hinten in den Kragen segelte – pfui, Kuckuck!!!

Ralf beeilte sich sehr und als er in der Kienhorststraße ankam, war alles ungewöhnlich ruhig und dunkel. Niemand war zu sehen. Die Holzwerkstatt im Erdgeschoss, sein Arbeitsplatz, war leer – keiner da, irgendwie komisch…

Draußen heulte jetzt der Wind. Ralf ging zur Keramikwerkstatt hinüber, um zu fragen, wo seine Kollegen und Nutzer abgeblieben waren. Auch die Keramikwerkstatt war wie ausgestorben – alles dunkel und kein einziger Mensch zu sehen.

Das Sekretariat wirkte ebenfalls verlassen. Ralf war verwirrt und verstand die Welt nicht mehr. Er fragte sich, was denn heute hier los sei? Wo waren die anderen? Plötzlich hörte er einen lauten Knall im Obergeschoss. Er rannte die Treppe hinauf, um nachzusehen, was dort passiert war.

Im Speiseraum hatte der Sturm ein Fenster aufgedrückt. Regen und Schnee platschten dort auf den Boden und hatten schon eine Pfütze gebildet. Ralf wollte schnell das Fenster wieder schließen, trat in die Pfütze, rutschte aus, schlug hin, stieß sich den Kopf, verlor seine Brille und sah dann nur noch Sterne… Er war völlig benommen und blieb einfach liegen.

Ach herrje, wo ist denn jetzt die Brille abgeblieben, ging es ihm durch den Kopf. Dann hörte er Stimmen und Singen und sah schemenhaft die Farben weiß, rot und blau in seiner Nähe vorbeischweben - irgendwie wie Engel… Und roch es nicht auch nach Weihnachts-Plätzchen und Kuchen?

Ralf fragte sich, ob denn heute schon Weihnachten sei???

Durch die Fensteröffnung segelte jetzt ein völlig durchnässter und zerzauster Papagei in den Raum und krächzte „Frridolin! Frridolin!“ und „Kapitän! Kapitän!“ Er entdeckte gleich Ralfs Brille auf dem Boden, packte sie mit dem Schnabel und trudelte Richtung Flur davon. Der blaue Engel Ümit und der rote Engel Heike schwebten hinterher und nahmen sofort die Verfolgung auf. Der weiße Engel Jacqueline machte das Fenster zu, setzte sich zu Ralf und sprach beruhigend auf ihn ein.

Fridolin flatterte durch den Flur zur Küche. Hier waren fleißige Plätzchen-Bäcker am Werk: Dirk machte gerade den Teig für eine Linzer Torte, Inken schob ihre Vanille-Kipferl mit dem Blech in den Ofen und Monika bestrich fertig gebackene Lebkuchen mit flüssiger Schokolade. Es war warm und gemütlich und duftete ganz wunderbar… Fridolin landete auf der Fensterbank und schaute sich erstaunt um. Der blaue Engel Ümit nahm ihm mit einem schnellen Griff Ralfs Brille ab und sagte zu ihm: „Heute ist Heiligabend, da staunst du, was?“

Dann erklang laut eine helle Glocke -das muss René gewesen sein- und die Stimme des weißen Engels Jacqueline rief: „ Hallo! Ich rufe die Weihnachtsfrau Sabine und den Weihnachtsmann Sascha! Schwingt euch in euren Schlitten und eilt mit euren besten Rentieren Darius und Karin herbei und bringt Ralf endlich sein Weihnachtspaket!“

Alle kamen neugierig zu Ralf in den Speiseraum zurück. Der blaue Engel Ümit hatte die Brille geputzt und drückte sie Ralf wieder auf die Nase. Der hatte sich inzwischen mit seinen nassen Klamotten auf einen Stuhl gesetzt und konnte es nicht glauben, dass heute schon Heiligabend war! Alle warteten mit ihm gespannt auf das, was jetzt wohl kommen würde…

Kurz darauf schwebte der Schlitten mit Rentieren, Weihnachtsfrau und Weihnachtsmann tatsächlich herein und landete sanft auf dem Boden. Die Weihnachtsfrau Sabine stieg aus, begrüßte Ralf ganz herzlich, wünschte ihm „Wunderschöne Weihnachten!“ und überreichte ihm ein großes Weihnachtspaket. Ralf staunte nicht schlecht und packte nacheinander Folgendes aus: Schokolade, Weihnachtsplätzchen, ein Paket Kaffee, eine Nuss, ein Paket Kakao, eine Flasche Wein, ein Kochbuch, Zuckerwatte, einen Kuchen, eine CD, eine kuschelweiche Decke und eine Wachsfigur, die aussah wie Ralf.

Ralf freute sich sehr, überlegte aber dann, wie er die vielen Geschenke allein nach Hause bringen könnte. Die freundliche Weihnachtsfrau Sabine bot ihm an, ihn mit allen Geschenken im Schlitten nach Hause zu fahren. Dieses Angebot nahm Ralf gerne an und setzte sich gleich in den Schlitten zu Weihnachtsmann Sascha. Die drei Engel legten alle Geschenke um ihn herum und schon ging die Fahrt los über Alt-Reinickendorf in Richtung Pankow! Die Glöckchen der Rentiere läuteten und läuteten und läuteten und machten den glücklichen Ralf ganz schläfrig…

Das melodische Läuten trug Ralf über eine ganze Strecke und weckte ihn dann auf sanfte Weise wieder auf. Er lag zu Hause in seinem Bett und durch das geöffnete Fenster drang der Schall von Kirchenglocken in sein Zimmer. Er hörte, wie sich draußen auf der Straße fröhlich schwatzende und lachende Menschen „Fröhliche Weih-nachten!“ wünschten. Ralf räkelte sich genüsslich und dachte: War das ein toller Weihnachtstraum!!! Jetzt stehe ich aber schnell auf, ich will ja heute ein festliches Weihnachts-Menü für meine Familie und Freunde kochen…

Diese Geschichte wurde erfunden im Literatur-Kreis der TFS Kienhorststraße am 28.11. und 05.12.2013 von Inken Voigtländer, Dirk Kaftan, René Hübner, Ümit Kecici, Sabine Patzschke, Sascha Dässler, Darius Dabiri, Jacqueline Neumann und Monika Bahr. Es assistierten Heike Igel und Karin Ruh-Hagel.


Eine kleine Herausforderung, ein großes Abenteuer – Rollfietstouren 2013/2014

Ob von Bad Freienwalde nach KĂĽstrin, von Dresden nach Bad Schandau oder von PeenemĂĽnde nach SwinemĂĽnde: Mittlerweile haben wir bereits mehrere 100 Kilometer mit unseren Bewohnern per Handbike und Rollfiets zurĂĽckgelegt.

Bereits im vergangenen Jahr sattelten wir zum ersten Mal die Räder, um eine Rollfietstour von Bad Freienwalde nach KĂĽstrin in Polen entlang des Oder-NeiĂźe-Radwegs zurĂĽckzulegen.  Vom SFD lieĂźen wir uns zum nächstgelegenen Bahnhof in Berlin fahren, um dort aus in den Regionalzug Richtung  Bad Freienwalde einzusteigen.

99,99 Kilometer lieĂźen wir insgesamt während dieser vier Tage hinter uns. Tage, die von  Leichtigkeit,  traumhaften Landschaftsbildern, niedlichen Pensionen und liebenswerten Menschen, die uns auf unseren Wegen begegneten,  geprägt waren.  Es ging nie darum,  ans Ziel zu kommen, sondern den Weg entlang der Flussläufe und dessen Idylle zu genieĂźen sowie kleine Hindernisse zu ĂĽberwinden: Reifenpannen, Ravioli aus der Dose – erwärmt durch unseren Campingkocher –, Regen und Wind gehörten zu unserem kleinen Abenteuer dazu und waren genau die Herausforderungen, die diese Art des Reisens so interessant und lohnenswert  fĂĽr unsere Bewohner und auch fĂĽr uns machten.

Nachdem die erste Tour das Interesse weiterer Bewohner geweckt hatte, entschieden wir uns, auch in diesem Sommer wieder in die Pedale zu treten. Im Keller stieĂźen wir auf zwei längst vergessene Rollfietse, die nach kleinen Reparaturarbeiten wieder fahrtĂĽchtig wurden. So war es möglich, dass wir in den vergangenen Wochen den Elbradweg mit zwei Bewohnern erkunden konnten und wenige Wochen später nach Usedom mit dem Zug reisten, um  im Anschluss per Rad die Insel zu entdecken. 

v.l.n.r. Martin Tröster und Elisa Speckmann
v.l.n.r. Kristina Wiedemann und Elisa Speckmann

Alle drei Rollfietstouren waren auf ihre Art und Weise einmalig: Ob entlang der FluĂźläufe von Oder und NeiĂźe oder vorbei an Felswänden, die den Elbradweg kennzeichnen, oder die frische Brise des Meeres auf Usedom, die einem den Schweis auf der Stirn trocknete...: Jede Tour hatte ihren ganz eigenen  Charme.

Der Weg ist das Ziel – Rollfietstouren 2013/2014

  1. Unterwegs auf  dem Oder-NeiĂźe-Radweg -  von Bad Freienwalde nach KĂĽstrin in drei Tagen (Juni 2013)
  2. Auf dem Elbradweg von Dresden nach  Bad Schandau  (Juli 2014)
  3. Von Peenemünde über Swinemünde – der Ostseeküstenradweg (Juli 2014)

Kristina Wiedemann und Martin Tröster, WE Schöneicher Straße



Eine Reisegeschichte der Literaturgruppe der Tagesförderstätte

„Vom Ă„quator nach Cottbus“ ist eine abenteuerlich Reisegeschichte, die gut zum Sommer passt.

Viel SpaĂź beim Lesen!

 

Vom Ă„quator nach Cottbus

Eine Reisegeschichte

Puuh, ist das heiß hier! Ich schlecke an einem Eis und kann noch gar nicht fassen, wo ich hier bin: Ich sitze in einer Eisdiele am Äquator in Kolumbien und überlege, wie ich am besten in die nächste „Eck-Kneipe“ für einen exotischen Drink komme. Ich glaube, ich steige in ein Schlauchboot, fahre zum nächsten Strand und halte Ausschau nach einer Kokospalme. Mit einem Bumerang hole ich eine Kokosnuss herunter und schlürfe die köstliche Kokosmilch, um mich für die nächste Reise-Etappe zu stärken.

Am Ende des Strandes entdecke ich eine Pferdekutsche, die mich die nächsten 100 Kilometer nach Panama mitnehmen wird. Auf dem Dach der Kutsche sitzt ein Papagei mit Namen Fridolin, der dem Kutscher als Äquator-Navigator immer den Weg ansagt.

Die ersten 20 Kilometer gehen schnell vorbei. Plötzlich beginnt es, stark zu regnen - überall Wasser, wohin ich auch schaue. Ich bekomme fast Angst, dass die Pferde zu Seepferdchen werden!!! Aus diesen Gedanken werde ich abrupt herausgerissen, denn wir sind mit unserer Kutsche steckengeblieben – in der tiefen, glitschigen Modderpampe.

Das mächtige Rauschen des Wassers vermischt sich mit einem lauten Motorengeräusch. Ich traue meinen Augen nicht: Als ich in den Himmel schaue, erblicke ich ein Licht von einem Hubschrauber, der uns zu Hilfe kommt. Ein Mann wirft uns eine lange Strickleiter zu, an der wir hochklettern sollen. Fridolin setzt sich auf meine Schulter und ruft „Komm mit! Komm mit!“

Der Hubschrauber bringt den Kutscher, Fridolin und mich nach Panama Stadt und der Pilot empfiehlt uns dort das „Una Piedra“, ein vorzügliches Cafe, in dem man besten panamesischen Kaffee und leckeren Käsekuchen mit Bananen bekommt. Fridolin bestellt gleich „Eierkuchen! Eierkuchen!“ und pickt fröhlich drauflos, als die Kellnerin sie an den Tisch bringt.

Am Nachbartisch sitzt ein kräftiger Mann mit tiefer Stimme und vielen Lachfältchen und erzählt, dass er gleich zum Hafen geht und mit seinem groĂźen Frachter ausläuft in Richtung Lissabon. Er heiĂźt Darius und gefällt Fridolin ausgesprochen gut. Aufgeregt ruft er erst „Kapitän! Kapitän!“ und gleich danach „Lissabon! Lissabon!“ Ich möchte unbedingt mitfahren und frage den Kapitän, ob er mich mitnehmen kann? Er antwortet, dass er mich nur mitnimmt, wenn ich Gläser, Tassen und Teller spĂĽle und die KombĂĽse putze, weil sein Schiffsjunge Urlaub hat. Ich rufe: „Das mach ich gerne! Ich komm mit!“ Fridolin flattert schnell wieder auf meine Schulter, krallt sich dort fest und krächzt  â€žKomm mit! Komm mit!“ Der Kutscher nickt ihm traurig zu und sagt: „Na gut, dann geh eben mit!“

Kaum bin ich auf dem Riesenkahn und kaum haben wir den Hafen verlassen, als schon ein Sturm aufkommt und hoher Wellengang einsetzt. In den Containern im Schiffsbauch werden Pinguine im Eiswasser transportiert, die der Zoo in Cottbus bestellt hat. Sie werden kräftig hin- und hergeschüttelt und müssen sehr aufpassen, dass sie sich nicht die Köpfe an die Wände hauen.

Ich schaue kurz aus einem Bullauge und sehe im aufgewühlten Meer Wale, Delfine und Haie vorbeischießen. Vom starken Schwanken des Schiffes ist mir furchtbar übel und ich muss mich mehrmals übergeben. Ich bleibe jammernd in einer Ecke der Kombüse sitzen und klammere mich an der Eckbank fest. Fridolin sitzt auf einem Schränkchen und kommentiert frech „Kotzen! Hahaha! Kotzen!“

Mir ist so übel, als ob ich ganz viel Alkohol getrunken hätte. Ich will unbedingt vom Schiff! Egal wie. Als ich mich zum Springen ins Wasser ganz vorne an den Bug stelle, kommt Kapitän Darius zu mir und ruft laut: „Halt! Spring nicht! Denk an die gefährlichen Haie!“ Dann erzählt er mir: „Ich hab eine bessere Idee! Mein Kollege Kapitän Alf-Marco übernimmt jetzt das Kommando. Wir haben Schichtwechsel. Und wir beide steigen in meinen Heißluft-Ballon und fahren nach Cottbus. Ich wollte schon immer mal ins Guinness-Buch der Rekorde! Aber bevor wir in Cottbus ankommen, landen wir noch in Prag, um Staropramener Bier zu kaufen, als Mitbringsel für deine Freunde!“

Gesagt – getan! Wir steigen in den Ballon, heben ab und steigen immer höher und höher, bis an die Wolken. Fridolin ist glücklich! So weit nach oben ist er noch nie geflogen…

4 Wochen später:
Puuh, ist das heiß hier! Ich schlecke an einem Eis und kann noch gar nicht fassen, wo ich hier bin: Ich sitze in einer Eisdiele im Stadtzoo von Cottbus und schaue den Pinguinen beim Schwimmen und Tauchen und Herumwatscheln zu…

Diese Geschichte wurde erfunden in der Literaturgruppe:

Inken Voigtländer, Dirk Kaftan, RenĂ© HĂĽbner, Ăśmit Kecici, Sascha Dässler, Sabine Patzschke, Darius Dabiri, Erol Kaya und Monika Bahl (in wechselnden Zusammensetzungen).

Es assistierten Heike Igel, Ralf Schaffrath und Karin Ruh-Hagel.