
Kurzdarstellung der Arbeitsgruppe
Behinderung & Sexualität
Die Arbeitsgruppe Behinderung & Sexualität wurde 1992 gegründet, nachdem eine Bewohnerin mit konkreten Wünschen nach Sexualbegleitung eine längst fällige Auseinandersetzung mit diesem Thema anschob.
Wenige Monate nach Gründung war durch die MitarbeiterInnen der AG ein Konzept erstellt worden, dass sich den sensiblen Fragen zu diesen Themen stellt.
Die erarbeitete Grundposition lautet, dass eine selbstbestimmte und aktive Sexualität auch für Menschen mit Behinderungen eine Selbstverständlichkeit sein muss, die MitarbeiterInnen der Spastikerhilfe geben dabei, wo nötig und soweit wie möglich, Unterstützung. 2009 wurde das Konzept noch einmal sorgfältig überarbeitet.
Durch die Arbeit der AG ist in der Spastikerhilfe inzwischen vieles selbstverständlicher geworden, was noch vor wenigen Jahren undenkbar erschien. Das Thema Sexualität ist aus der Tabuzone ins Bewusstsein gerückt. Nach unserer Definition umfasst Sexualität das ganze Spektrum sinnlichen Erlebens: vom positiven Körpergefühl und Wohlfühlen z.B. beim Baden oder einer Massage, über die Erkundung von Möglichkeiten zur Selbstbefriedigung bis hin zu einer externen Sexualbegleitung oder der Organisation eines Bordellbesuches.
In den Wohneinrichtungen ist es längst Normalität, dass Paare sich gegenseitig besuchen und v.a. am Wochenende beieinander übernachten. Es gibt einige Paare bei der Spastikerhilfe, die zusammen leben, gemeinsam verreisen oder inzwischen verheiratet sind. Zum Arbeitsauftrag der MitarbeiterInnen gehört es, die Bedürfnisse der BewohnerInnen sensibel zu erfassen und nach Möglichkeiten der Umsetzung zu suchen.
Die AG hat im Laufe ihres Bestehens mit viel Engagement und Kreativität eine ganze Reihe von Angeboten für BewohnerInnen erarbeitet:
‚Gesprächskreise’, in denen eine feste Gruppe im kleinen Rahmen regelmäßig die Themen Liebe und Erotik besprechen kann, Fortbildungsnachmittage für BewohnerInnen zu Themen wie „mein Körper“, „Flirten“, „Sinn und Sinnlichkeit“ oder „Selbstbehauptung“ u.a. Für nichtsprechende BewohnerInnen wurde eine Körpererfahrungsgruppe etabliert.
Seit langem werden zweimal im Jahr Single-Partys für einsame Herzen mit Programm zum Kennenlernen, Flirten und zur Partnersuche organisiert, die BesucherInnen kommen längst nicht nur aus Berlin sondern auch aus den Regionen Brandenburgs. Ebenfalls zweimal im Jahr erscheint die Kontaktanzeigen-Zeitung für Suchende, in jedem Sommer veranstaltet die AG ein Picknick für interessierte BewohnerInnen.
Beratend und unterstützend führen die MitarbeiterInnen der AG regelmäßig interne und externe Fortbildungen durch und bilden sich selbst immer wieder weiter. Sie haben einen Leitfaden zum Thema „Sexueller Missbrauch“ entwickelt und in die Teams eingebracht, veröffentlichen ihre Arbeitsergebnisse in (Fach-) Zeitschriften und Büchern, beteiligen sich an Fachtagungen und sind MitbegründerInnen des überregionalen Arbeitskreises „Sexualität, Partnerschaft und Behinderung“ des Berliner Senats.
Wenn Sie Interesse an der Arbeit der AG haben, z.B. auch an Fortbildungen durch AG-MitarbeiterInnen, können Sie sich an u.s. Adresse wenden. Dort können Sie ebenfalls das aktuelle Konzept zum Thema Behinderung & Sexualität für 4 € in Briefmarken bestellen:
Spastikerhilfe Berlin eG - c/o AG Behinderung &Sexualität, Martin Rothaug, Ollenhauerstr. 41/42, 13403 Berlin, e-mail: rothaug.m(at)spastikerhilfe.de.